Bei diesem Forschungsschwerpunkt handelt es sich um eine Kooperation zwischen dem
Lehrstuhl für Regelungssysteme (LRS) und dem Lehrstuhl
für
Maschinenelemente und Getriebetechnik (MEGT) von Prof. Dr.-Ing. B.
Sauer.
Stetig wachsende Anforderungen bezüglich der Dynamik und
Genauigkeit von Robotern im industriellen Umfeld können durch
serielle Roboter in zunehmendem Maße nicht mehr
erfüllt
werden. Neue Roboterstrukturen wie Parallel- und Hybridroboter gewinnen
an Bedeu-tung und verdrängen serielle Roboter bei
hochdynamischen
Anwendungen. Aus diesem Grund stellt die Erforschung von
parallelkinematischen Strukturen einen immer wichtiger werdenden
Forschungsschwerpunkt im Bereich der Konstruktions- und
Regelungstechnik dar.
Die Klasse der Parallelroboter zeichnet sich durch diverse Vorteile
gegenüber seriellen Ro-botern aus. Dazu gehören u. a.
eine
hohe Struktursteifigkeit, eine geringe Maschinenmas-se und somit kleine
Trägheitskräfte und hohe Verfahrgeschwindigkeiten bei
geringen erfor-derlichen Antriebsleistungen. Demgegenüber
stehen
Nachteile wie ein schlechtes Verhältnis zwischen Arbeits- und
Bauraum, hohe Anforderungen bezüglich der Steuerungshard-ware
und
komplexe Steuerungs- und Regelungskonzepte.
Die Demonstratoren
Zur Erforschung der parallelkinematischen Strukturen und zur
Erprobung neuer Rege-lungskonzepte aus dem Bereich der nichtlinearen
Regelungstechnik stehen zwei Demonstratoren zur Verfügung.
Bei der links dargestellten Parallelkinematik handelt
es sich um die so genannte Spidermill. Die von der Firma MiniTec in Waldmohr
gebaute klassische Scherenkinematik mit zwei Freiheitsgraden,
ermöglicht eine spanende Bearbeitung von weichen
Werkstücken innerhalb einer Ebene. Ihre Erweiterung um eine serielle Achse (hybrid
Roboter) gestattet es ferner räumliche Strukturen zu erzeugen
(2½ D-Ansatz) und somit die Kinematik im Be-reich des
„Rapid Prototypings“ mittelgroßer Objekte
einzusetzen.
Im Bild rechts ist der durch den MEGT konzipierte und realisierte Tripod
dargestellt.
Es handelt sich um eine Struktur mit drei Freiheitsgraden, wovon zwei
rotatorisch (um x- und y-Achse) und einer translatorisch (entlang
z-Achse) sind. Im Gegensatz zur Spidermill sind somit ohne weitere
Erweiterungsmaßnahmen räumliche Bearbeitungen
innerhalb des Arbeitsraums möglich.
Im weiteren Verlauf des Projekts sind die Anschaffungen weiterer
Demonstratoren geplant.
Das Ziel
Um eine gezielte Bewegung des TCP (Tool Center Points, Werkzeugspitze)
entlang einer geplanten Trajektorie zu ermöglichen ist es im
Vorfeld erforderlich die inverse Kinematik des Parallelroboters zu
ermitteln. Diese stellt den Bezug zwischen der gewünschten
Lage
des Endeffektors (Werkzeug) und den dafür erforderlichen
Antriebsstellungen (Gelenkwinkel) her. In einem weiteren Schritt wird
für die Regelung der Roboterbewegung die inverse Dynamik
benötigt. Mit ihrer Hilfe können die für
einen
vorgegebenen Bewegungsablauf er-forderlichen
Stellgrößen
(Kräfte bzw. Momente der aktuierten Gelenke) ermittelt werden.
Bei diesen „Vorarbeiten“ stellen die für
Parallelroboter erforderlichen komplexen Modelle und die starke
Nichtlinearität von Reibungs- und
Temperatureinflüssen
große Herausforderungen an die Modellbildung und
Identifikation
dar. Die Verarbeitung der resultierenden Gleichungssysteme ist ferner
nur noch unter der Verwendung von CAS (Computer Algebra Systemen)
effektiv möglich. Die Umsetzung der geplanten Trajektorien des
TCP
und die Realisierung der modellbasierten Regelungskonzepte macht ferner
eine echtzeitfähige Realisierung der Algorithmen erforderlich.
Die Regelungskonzepte
Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes liegt das Augenmerk auf der
Erforschung von nichtlinearen Regelungskonzepten. Diese sollen nach
erfolgter Kinematik und Dynamikbe-schreibung sowie der damit
verbundenen Modellbildung und Identifikation mit Hilfe der
Demonstratoren und einer CO-Simulationsumgebung (ADAMS –
Matlab/Simulink) verifiziert werden.
Die geplanten Regelungskonzepte sind im Bereich der Differentialalgebra
bzw. Differential-geometrie anzusiedeln. Schlagworte in diesem
Zusammenhang stellen die flachheitsba-sierte Regelung bzw. Steuerung
dar, die besonders geeignet erscheinen um parallelkine-matische
Strukturen zu steuern bzw. zu regeln. Zur Verifikation und Beurteilung
der Leistungsfähigkeit dieser Algorithmen sind jedoch auch
Ansätze aus dem Bereich der klassischen nichtlinearen und
linearen
Regelungstechnik angedacht.
| Weitere Informationen: |
Dipl.-Ing. Peter Müller (12/328) |
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