Mit der wachsenden Komplexität
technischer Systeme gewinnt die Steigerung von Zuverlässigkeit und
Sicherheit eine zunehmende Bedeutung. Diagnosesysteme dienen zur
Überwachung der Funktionalität technischer Systeme um so
Fehler (die zu Störungen und Ausfällen des Systems
führen können) zu erkennen und entsprechende
Gegenmaßnahmen einzuleiten. Grundvoraussetzung ist die Erzeugung
von Redundanz im System, um so Fehlfunktionen zu erkennen und
entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten zu können.
In der Vergangenheit wurde diese Redundanz meist durch zusätzliche
Sensoren und die Überwachung der Sensorsignale mit Hilfe einer
direkten Signalanalyse erreicht. Man spricht in diesem Zusammenhang von
direkter oder Hardware-Redundanz bzw. signalbasierten Verfahren.
Die Diagnosetiefe, also die Aussage über die mögliche
Fehlerursache, ist bei dieser "Signalbasierten Fehlerdiagnose" jedoch
sehr eingeschränkt. Außerdem erhöhen zusätzliche
Sensoren nicht unbedingt die Gesamtzuverlässigkeit des Systems, da
diese auch anfällig für Fehler sein können. Darüber
hinaus verteuert jeder zusätzliche Sensor das System, was bei
Massenprodukten wie zum Beispiel dem Auto möglichst vermieden
werden soll.

Eine Alternative zur obigen direkten Redundanz ist die Schaffung einer
indirekten Redundanz. Sie wird auch Softwareredundanz genannt und mit
Hilfe analytischer Modelle des zu überwachenden Systems
realisiert. Diese Modelle sollen das Systemverhalten möglichst
genau widerspiegeln und so Informationen über "schwer" oder nicht
zugängliche Kennwerte (Parameter, Zustandsgrößen,
…) liefern, welche für eine Diagnose zur Findung der
Fehlerursache weiterverarbeitet werden können. Aufgrund der
eingesetzten Systemmodelle spricht man von der "Modellbasierten
Fehlerdiagnose".
Im PKW- und Luftfahrt-Bereich wie auch bei industriellen Anlagen wird
die modellbasierte Diagnose in Teilbereichen schon erfolgreich
angewandt. Allerdings besteht noch ein sehr großes
Entwicklungspotential.
Mit der Weiterentwicklung der sog. "X-by-Wire-Technik" beispielsweise
gewinnt die Zuverlässigkeit von Systemen eine immer wichtigere
Bedeutung, da ein Ausfall in diesem Bereich schwerwiegende Folgen haben
kann.
Der Lehrstuhl will die Anwendungsbereiche der modellbasierten
Fehlerdiagnose erweitern und Methoden für deren Einsatz entwickeln
und verbessern.
Im Rahmen des Nutzfahrzeugclusters Südwest sollen die die Methoden
zunächst auf die Anwendung in Nutzfahrzeugen ausgerichtet sein, da
das Potential der modellbasierten Diagnose in diesem Bereich im
Gegensatz zum Automobilbereich noch nicht oder nur sehr
eingeschränkt genutzt wird. Darüber hinaus sind auch Projekte
aus anderen technischen Bereichen geplant. Zum Testen der Methoden wird
momentan ein Prüfstand am Lehrstuhl entwickelt und aufgebaut.
Im Forschungsschwerpunkt "Modellbasierte Fehlerdiagnose" werden
Studien-, Diplom- und Masterarbeiten angeboten. Sie beschäftigen
sich mit verschiedensten Themenbereichen der Regelungs- und
Automatisierungstechnik aber auch mit der Elektrotechnik allgemein und
angrenzenden Fachgebieten wie dem Maschinenbau und der Informatik.
| Weitere Informationen bei: |
Dipl.-Ing. Tim Nagel (12/343) |
| |
Dipl.-Ing. Stefan Simon (12/343) |