Eine moderne Industriegesellschaft, die im internationalen Wettbewerb
steht, ist auf die kostengünstige und zuverlässige Versorgung
mit Elektroenergie angeweisen. Ihr Bedarf wird sich nach
Expertenmeinung in dennächsten 30 Jahren weltweit verdoppeln.
Das Gebiet der elektrischen Energieversorgung umfasst die Bereiche
Erzeugung, Übertragung und Anwendung der Elektroenergie. Dabei
sind keineswegs nur technische sondern auch wirtschaftliche und
umweltpolitische Randbedingungen zu beachten. Ein
Energieversorgungssystem ist heute ohne Kenntnisse in der Regelungs-
und Informationstechnik nicht mehr zu betreiben.
Am Lehrstuhl für Regelungssysteme werden im Forschungsschwerpunkt
Elektrische Energieversorgung derzeit folgende Themengebiete behandelt:
Leistungselektronische Betriebsmittel (FACTS)
Mit Hilfe leistungselektronischer Stellglieder können die
Eigenschaften elektrischer Versorgungsnetze nachhaltig beeinflusst
werden (FACTS = Flexible AC Transmission Systems), z. B.
- Verbesserung der Spannungshaltung
- Erhöhung der Übertragungskapazität
- Bedämpfung von Leistungspendelungen
- Steuerung des Leistungsflusses
- Symmetrierung unsymmetrischer Lasten
- Kompensation von Stromoberschwingungen
- Bedämpfung von Spannungsschwankungen (Entflickerung)
- Kopplung von Netzen unterschiedlicher Frequenz
In der Vergangenheit wurden bevorzugt netzgeführte
Stromrichterschaltungen mit Thyristoren eingesetzt. Diese können
aber nur im Takt der Netzfrequenz schalten und belasten das sie
umgebende Netz mit Stromoberschwingungen und induktiver Blindleistung.
Die Forschung konzentriert sich daher heute auf selbstgeführte
Schaltungen mit Transistoren (IGBTs), die nahezu sinusförmige
Ströme mit beliebig einstellbarer Phasenlage erzeugen.
Die Arbeiten am Lehrstuhl LRS beschäftigen sich mit der
Modellbildung, Regelung und Simulation leistungselektronischer
Betriebsmittel im Netzverbund. Dabei findet eine enge Kooperation mit
den Kollegen des Forschungsschwerpunktes Regelung
leistungselektronischer Systeme statt. Die theoretischen
Untersuchungsergebnisse werden mit Hardwaremodellen am
Netz-Kraftwerksmodell (Bild) überprüft.
Berechnung von Versorgungsnetzen
Bei der Berechnung elektrischer Versorgungsnetze ist es
zweckmäßig, zwischen stationären, quasistationären
(langsamen) und transienten (schnellen) Vorgängen zu
unterscheiden, wobei sich die Eigenschaften langsam und schnell auf die
50-Hz-Netzfre-
quenz beziehen. Am Lehrstuhl LRS werden derzeit folgende Probleme bearbeitet:
- Kurzschlussstromberechnung im Fünfleiter-Niederspannungsnetz
Der einpolige Fehler kann bislang mit herkömmlichen Kurzschlussprogrammen nur in Sonderfällen berechnet werden.
- Zeitkonstantenverfahren
Die Berechnung elektromagnetischer Ausgleichsvorgänge in
Versorgungsnetzen führt auf die Lösung umfangreicher,
gekoppelter Differentialgleichungssysteme. Mit Hilfe des
Zeitkonstantenverfahrens ist eine dynamische Entkopplung der
einzelnen Netzzweige möglich.
- Fehlerortung im Niederspannungsnetz
Im Niederspannungsnetz sind vielfach Sicherungen eingesetzt, die den
Fehlerstrom bereits im Anstieg unterbrechen können.
Herkömmliche Verfahren zur Fehlerortsbestimmung sind dann nicht
mehr geeignet.
- Netzregelung
Wie verändert sich die Netzregelung (Übereinstimmung von
Wirkleistungserzeugung und -verbrauch), wenn die Einspeisung
ausschließlich über leistungselektronische Umrichter
erfolgt? Diese Fragestellung ist in Zukunft im Bahnnetz von Bedeutung.
Im Rahmen des Forschungsschwerpunkts Elektrische Energieversorgung sind
ständig Themen zu Studien-, Diplom-, und Masterarbeiten zu
vergeben. Siehe dazu gesonderte Aushänge.
Weitere Informationen bei: Priv. Doz. Dr.-Ing. habil. Christian Tuttas (12/324)